Die Inflation der Detailliebe zur IT

1987 – 1995 war eine faszinierende Zeit für technikbegeisterte Geister. Die ersten erschwinglichen Computer kamen auf den Markt. In Ostdeutschland z.B. KC87 oder KC85-3 in Westdeutschland C128, C64. Später wurde der Amiga für kurze Zeit der am meisten verkaufte Computer weltweit. Zeitgleich entwickelte sich über XT/AT die PC Welt langsam. Technisch noch unterlegen, aber die Ära sollte später kommen.

Parallel wurden viele Geräte digitalisiert: Fernseher, Hifi, komplexe Uhren. Wer die Liebe zu feiner Programmierung hatte, wer sich über jeden Vorstoß zu besserer Hardware freute, genoss eine fantastische Zeit.

Sie verleitete zu Glauben, dass diese Begeisterung immer mehr Menschen ergreifen müsse und wir in kurzer Zeit immer komplexere und damit extrem leistungsfähige IT und gleichzeitig eine breite Masse an Experten haben werden.

Aber zumindest meine Wenigkeit hat sich dabei zu viel versprochen.

Heute bin ich erschrocken über das was durch den breiten Massenkonsum von IT aus selbiger geworden ist. Die Tendenz ist zurück zu unflexiblen zusammen geschnürten Systemen. Freie Betriebssysteme werden nur von Experten verwendet und sind auf vielerlei Hardware selbst von diesen nicht mehr zu installieren.

Der Massenkonsum hat Machtpositionen geschaffen. Unternehmen die so viel Einfluss haben, dass sie die Freiheit und damit die Entwicklung von IT drastisch verlangsamen, ja teilweise zum Stillstand bringen oder in der Spitze sogar eine Rückentwicklung einleiten.

Natürlich sehen sich diese Unternehmen als Technologieführer, was sie auch sind. Leider nur deshalb, weil es die strategischen Kooperationen verhindern, dass sich andere oder freie Software entfalten kann.

So wird derzeit von google aktiv entgegen gewirkt, dass Smartphone Produzenten Ihre Hardware für andere Systeme als Android öffnen. Neben dem Wegfall von Symbian und Windows-Mobile in West-Europa und dem permanenten unterdrücken von freien Installationsebenen auf Smartphones, sinkt auch der Apple Anteil am Markt. So dass wir aktuell eine unerträgliche Monotonie an Smartphone Betriebssystemen haben.

Den Vorwurf kann man jedoch google nur zum Teil machen. Schließlich liegt es in der Natur eines Unternehmen seine Macht auszubauen und seine Konkurrenten zu vernichten.

Es ist viel mehr das technische Verständnis der User welches mich schockiert. Dieses resultiert aus der breiten Nutzermasse und wird daher unfassbar flach.

Ich erinnere an PSION, die Communicator von Nokia, an parallele Betriebsystemzeiten Unix/Windows/AmigaOS/AtariOS/MacOS/Linux uvm.

Die maximale Verbreitung von Personalcomputern ist offenbar schon überschritten – die zur simplifizierung neigende Masse ist zufrieden, wenn Sie youtube und Amazon über ein Smartphone oder Tablett oder Fernsehgerät nutzen kann und sind wir mal ehrlich. Bei der heutigen zugeschnürrten Oberfläche sind das auch 3 gleiche Geräte. – Anschalten/Laut-Leise/Ausschalten.

Weil Anfang der 90er die Geräte nur von IT-Begeisterten gekauft wurden – durften Sie auch komplex sein, roh, flexibel offen und suggerierten gigantische Möglichkeiten. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Heute muss mit jedem Produkt ein Massenmarkt angesprochen werden, die Folge ist der Tod des Details und eine unglaublich schlechte Softwarequalität, welche die breite Masse überhaupt nicht wahrnimmt, weil sie weder das Verständnis hat auszuweichen noch beurteilen kann, was da vor sich geht.

Gruselig! Ich schäme mich.

Wer Lösungansätze sieht oder einfach nur Lust auf Diskussionen hat, gerne den Artikel kommentieren.

 

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